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Archive for the ‘Goethe’ Category

Goethe: “Das Göttliche / On the Divine”

Posted by matt on 2 May 2008

Photo: Buchenwald durch ambidexy

DAS GÖTTLICHE

Edel sei der Mensch
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.

Heil den unbekannten
Höhern Wesen
Die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch!
Sein Beispiel lehr uns
Jene glauben.

Denn unfühlend
Ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
Über Bös und Gute
Und dem Verbrecher
Glänzen wie dem Besten
der Mond und die Sterne.

Wind und Ströme,
Donner und Hagel
Rauschen ihren Weg
Und ergreifen
Vorüber eilend
Einen um den andern.

Auch so das Glück
Tappt unter die Menge,
Faßt bald des Knaben
Lockige Unschuld,
Bald auch den kahlen
Schuldigen Scheitel.

Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unseres Daseins
Kreise vollenden.

Nur allein der Mensch
Vermag das Unmögliche:
Er unterscheidet,
Wählet und richtet;
Er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.

Er allein darf
Den Guten lohnen,
Den Bösen strafen,
Heilen und retten,
Alles Irrende, Schweifende
Nützlich verbinden.

Und wir verehren
Die Unsterblichen,
Als wären sie Menschen,
Täten im großen,
Was der Beste im kleinen
tut oder möchte.

Der edle Mensch
Sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff er
Das Nützliche, Rechte,
Sei uns ein Vorbild
Jener geahneten Wesen.

Johann Wolfgang von Goethe

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Thomas Rosenlöcher: “Der Gräber der Arnims/The Graves of the Arnims”

Posted by matt on 18 December 2007

beech trees

Der Gräber der Arnims umgittert.
Kein Blatt, keine Ranke, O Preußen.
Der Schritt knirscht auf dem Kies.

Einen Steinwurf witer die Wagen
der immer noch Lebenden.
Matt schimmern Stoßstangen herüber.

Es gibt kein Erinnern.  Nur dieses
Gegeneinander der Zeiten.
Kein Schritt kennt den anderen.

Aber der Wald ist ein eiserner Warter.
Und weiß den Weg in das Schloß.
Und wird in den Fenstern die Laubfahnen hissen.

Ja, auch die Lieben sind nur eine Zeit
vorausgefahrn auf dem Weg in die Zeit,
in der alle Zeiten ausruhn.

Thomas Rosenlöcher


The Graves of Achim and Bettina von Arnim

Iron railings enclose their graves.
Not a leaf, not a tendril.  Oh Prussia.
Footsteps crunch on the gravel.

A stone’s throw away the cars
of those who are still alive.
A dull shimmering of bumpers.

There is no remembering.
Only these conflicting times.
One step doesn’t know the next.

But the woods are patient as iron.
They know their way into the castle
hoisting banners of leaves at the windows.

Yes, even loved-ones have gone ahead
for a time on the path into time
in which all times are at rest.

Translation
by Tessa Ransford

Photo credit: Beech Trees by  dhyasama

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